Winter’s morning

IMG_0032c

Feuchte Kälte legt sich auf meine Haut. Nach einer halben Stunde, noch ehe die Sonne über die Dächer der Stadt tritt, beginnen meine Finger taub zu werden. Langsam. Die Kälte kriecht unter meine Jacke, in den Nacken, und verlangsamt jede meiner Bewegungen. Ungeschickt hantiere ich mit der steif gewordenen Hand an den Kameraeinstellungen herum. Vor ein paar Tagen noch erlebte ich Plusgrade, 30Grad, und jetzt laufe ich, gebeutelt vom Jetlag, mit müden Augen durch den Wintermorgen. Minus zwei Grad zeigt mir das Thermometer an. Das sind, im Vergleich zu manch anderen Orten, noch milde Temperaturen. Brrr. Wie still es ist. Das genieße ich. Einzelne Jogger laufen an mir vorbei und verschwinden in einem dicken Nebelkissen, der sich lautlos auf der Wiese ausgebreitet hat. Ein Schwarm Krähen zieht über mich hinweg, verteilt sich, findet wieder zueinander und löst sich schließlich im Horizont auf. Unbewusst wippe ich, mein ganzer Körper, auf und ab, kaum merklich, die Finger formen sich zu Krallen und lösen sich wieder. Auf und zu. Auf und zu. Mein Atem umhüllt mich, bettet mich in ein Winterbett, in dem ich von Schnee und langen Spaziergängen träume.

IMG_0033c

Ehe ich mein Gefühl in den Fingern gänzlich verliere, steuere ich zurück Richtung Wohnung, spule parallel den Kleinbildfilm zurück, auf dem die ersten Fotos vom Winter in New York erzählen und werde von den Sonnenstrahlen der aufgehenden Sonne eingefangen. Ein Hauch Wärme legt sich auf mein Gesicht. Ich stoppe, wippe, forme die Hände zu einer Faust, löse sie, genieße, bis mich die Kälte endgültig nach Hause schickt. Jetzt heißt es auf die insgesamt fünf Filmrollen in S/W und Farbe zu warten, die mir von einem argentinischen Frühling und der Ferne berichten, die schon wieder hinter mir liegt. Und ein Tag New York. Bis dahin ruft Berlin und all die inspirierenden Motive in der Stadt.

Über anette

photo artist & dreamer

17 Kommentare

  1. Such beautiful tender leaves!

  2. Liebe Anette, schön geschrieben. Hast Du den Wintertag in NYC auch irgendwo zur Verfügung, wie du schon Deine anderen Kurzfilme präsentiert hast. Würde mich interessieren.
    LG
    Sabine

    • In NYC hatte ich eine Zwischenstation, ehe es zurück nach Berlin ging und die Stadt hat mich einfach nur begeistert, sehr beeindruckend! Und was für eine wunderbare Stimmung dort war! Schade, dass es nur ein paar Stunden waren … Die Fotokamera hatte ich dabei, allerdings keine Videokamera. So wird es ein paar Fotografien geben. Vielleicht gibt es aber die eine oder andere Möglichkeit, mehr daraus zu machen. Ich muss sehen, wie die Ergebnisse geworden sind. Schöne Idee auf jeden Fall mit dem Kurzfilm! Das wäre wirklich toll gewesen!

      Liebe Grüße,
      Anette

  3. Beautiful – I can almost smell the frost. Your poor fingers are probably in shock.

  4. Ich friere mich in letzter Zeit auch oft durch den Tag und packe mich immer dicker ein, doch wenn ich Deine Worte so lese, freue mich mich irgendwie auf den Winter, die klare Luft und die Veränderung des Lichts. Und fange an zu träumen von langen Spaziergängen durch die weiße Stille.

    Ich kann kaum glauben, dass Deine Zeit in Argentinien schon wieder vorbei ist. Die Zeit rast. Ich freue mich schon, auf Deine mitgebrachten Eindrücke. Willkommen zurück.

    • Oh, vielen lieben Dank, Viola! Was für ein schönes Willkommen heißen! Es ist schön, wieder da zu sein! Ja, die Zeit rennt wirklich ungemein und ehe man sich versieht, liegt alles schon wieder hinter einem. Verrückt!

      Von neun mitgenommenen Filmen sind letzten Endes „nur“ die Hälfte mit Eindrücken gefüllt. Es ist interessant, mit einem neuen Gedanken durch die Ferne zu reisen und Momente und Motive festzuhalten, die längere Zeit für den „Auslöserklick“ benötigen, anstatt sofort – wie ich es sonst ehrlich gesagt vom Reisen eher gewohnt bin – festzuhalten. ALLES scheint zuerst spannend und die Ruhe für die richtige Kompositionssuche und Motivwahl war für mich nicht immer fassbar. Daher bin ich richtig neugierig auf die Ergebnisse, auch, da ich das erste Mal länger mit der Nikon F3 unterwegs war. Es hat auf jeden Fall unglaublich viel Freude bereitet mit ihr zu fotografieren und ich freue mich auf mehr. Die Reise war eine ganz besondere Übung, sich bei all den unzähligen Eindrücken, die mich ab und an zu überfluten schienen, auf das Wesentliche zu konzentrieren.

  5. I know that cold, that quiet…
    Gorgeous images, Anette. I can sense your breath still hanging in the air.

    • Indeed, it was really cold! But the atmosphere was magical because of the morning fog. I’m looking forward to see the results from the analog camera.
      Thank you for your lovely feedback, Karen!

  6. Beautiful, the way the frost outlines the shape of each leaf. The image itself encapsulates early winter for me.
    By the way, we share the same first name, plus or minus ein „n.“ :-) Wir teilen den gleichen Vornamen, plus or minus ein einziges „n“.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: