Gewitter

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Langsam, elektrisiert, fühlbar. Mit jedem Grollen und Zucken der Blitze steigert sich meine kindliche Aufregung und beinahe ungeduldig warte ich auf den Moment des Ausbruchs. Er zeigt sich erst, als ich die Balkontür öffne und das Schauspiel vom Trockenen aus erblicken kann. Sturzbäche bilden sich innerhalb Sekunden und nehmen den Dreck der Stadt mit sich. Der Boden vibriert. Vereinzelte Schatten retten sich in Hauseingänge, andere verlangsamen ihre Schritte und blicken gen Himmel, der immer wieder mit einer unglaublichen Wucht beinahe zu zerbersten scheint. Tag und Nacht, Nacht und Tag. Ein Donnerschlag jagt den nächsten und lässt die Wände kaum merklich erzittern. Auf zwei Klappstühlen, zwischen die Balkontür geklemmt, sitzen wir da. Beobachten. Reden. Schweigen. Ab und an nippen wir an unserem Bier. Ich liebe Gewitter. Ich liebe den Geruch, kurz bevor der Platzregen einsetzt, die erdrückende Stille, die Spannung. Ehe ich den Flaschenboden sehe, ist der Spuk vorbei. Beinahe. Letzte Blitze erleuchten die Häuser, dann wird es ruhig. Die Hitze ist verschwunden. Erstmal. Und sogleich sehne ich mich nach ihr, als wäre sie noch nicht gewesen.

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fotografien © anette siegelwachs

Über anette

photo artist & dreamer

27 Kommentare

  1. So moody and wonderful light in the dark.

  2. Liebe Anette, deine Fotos gefallen mir sehr, sie haben die Atmosphäre wie aus einem alten französischen Krimi und ich erwarte fast Romy Schneider in einem Regenmantel an der Ecke :-)
    Einen schönen Tag von Susanne

  3. So sieht gute Schwarz-Weiss Fotografie aus! Klasse!!

  4. Liebe Anette, da hast du nun genau den Punkt getroffen. Denn ich habe große Angst vor Gewitter, obwohl ich sonst ein durchaus furchtloser Mensch bin. Und dafür bewundere ich Dich, dass du einfach so dasitzen kannst, um das Gewitter zu beobachten. Das Schreckenserlebnis hatte ich 2011 in Schweden bei einer langen einsamen Fahrradtour durch die Wälder. Ich war allein, suchte in einem Bushäuschen vor dem Regen Schutz und da schlug er ein: Der Blitz, auf der anderen Seite der Landstraße. Aber ich hab’s überlebt, die Angst ist geblieben. Und das Kuriose ist, dass Gaston, mein Hund sich bei jedem Gewitter unter dem Bett verkriecht, obwohl ihm das als Jungspund nichts ausgemacht hat. So, das zum Thema „Gewitter“. Musste ich mal loswerden. Gut, dass es Dein Blog gibt :)
    LG
    Sabine

    • Oje, na so ein Erlebnis hatte ich natürlich nicht, sonst würde ich mich vielleicht auch anders fühlen. Wenn Gaston sich jetzt vor dem Gewitter versteckt, ist das mehr als verständlich. Hunde spüren so einiges.
      Liebe Sabine, ich wünsche dir eine gute und gewitterfreie Woche! Und wer weiß, vielleicht kannst du dich irgendwann auch ganz entspannt hinsetzen, neben dir Gaston, und die Naturgewalt in Ruhe „genießen“.
      LG Anette

  5. wunderbar!!!! Da hört man es fast donnern, auch ohne den Text. Wenn es hier in Spanien nicht so kalt wäre diesen Sommeranfang, dann würde ich mir die Kühle des Regens und das dampfende Geprasel auf dem Pflaster fast herbeisehnen.

    • Ja, Sommergewitter sind einfach wunderbar :) Hier ist es aber auch nach nur wenigen Sommertagen vorbei mit der Hitze – vorerst. 13 Grad und Regen, brrr … aber von Deutschland erwartet man das ja … ;)
      Viele Grüße nach Spanien und weiterhin alles Gute für deine Projekte, Amilde!

  6. Ich mag das sehr, was Du hier geschrieben hast, und wie die phantastischen Fotos die Stimmung, die der Text verspricht, einlösen! Als wäre ich gerade mitten in dieser beschriebenen Szene …
    Sehr schön, wie Text und Bilder hier miteinander korrespondieren!
    Herzliche Grüße,
    mb, und auch von dm

    • Das ist ja wirklich ein wunderschönes Feedback! Vielen Dank, Dieter! Es ist spannend Text und Bilder miteinander zu kombinieren, Geschichten ein Stück weit zu vertiefen, und ich freue mich, dass es dir gefällt.
      Herzliche Grüße,
      Anette

  7. Chapeau! Die Bilder sind voller Atmosphäre und Klasse in Szene gesetzt. Die Schwarz/Weiß-Optik krönt dazu die Bilder. Denn die Bilder erzählen ihre eigene Geschichte.
    Liebe Grüße von Stefan

    • Auf die Geschichten, die sich in Fotografien wiederfinden, kommt es an, denn sie wecken die Emotionen des Betrachters. Vielen Dank, Stefan!
      Liebe Grüße,
      Anette

  8. Das dritte Bild ist wirklich wie aus einem alten Film.

  9. So beautiful and melancholy.

  10. Die letzen beiden Bilder sind der Hammer. Könnten glatt aus einem Film Noir heraus geschnitten worten sein :D Respekt, dass hast du hervorragend hin bekommen.

    • Was für ein Kompliment, vielen Dank! :-) Die Stimmung vor und während des Gewitters ist auch einfach fantastisch und es war großartig, mit der Kamera die richtigen Augenblicke einfangen zu können. Blitze jedoch blieben für meine Linse verborgen. Es klappt eben nicht immer alles ;-) …

      • Die Blitze haben sich zwar versteckt, dafür sind dir wirklich filmreife Bilder gelungen. Sie verbreiten eine ganz besondere Stimmung.

        Das Kompliment hast du dir redlich verdient. Beim ersten Blick hatte ich drauf gewartet, dass gleich Rorschach die Straße entlang kommt… :)

        Ich hab bisher auch nur zweimal einen Blitz erwischt.

  11. Stimmung und Wechselhaftigkeit des Gewitters sind wirklich nachfühlbar festgehalten. Beim nächsten Gewitter bitte wieder zur Kamera greifen. :)

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