Ein Stück Geschichte

GutshausParkfotografien © anette siegelwachs

Gutshaus Neukladow. Eine prachtvolle Villa voller Geschichte. Ein kleines Stück Paradies am See und nicht weit von der Stadt entfernt. Die Hausfassade bröckelt. Wenige Meter entfernt ein ehemaliger Club und kleinere Häuser, fensterlos. Am Boden zerbrochenes Glas. Nur Ruinen sind geblieben und das Gefühl bleibt, hier nicht lange verweilen zu wollen. Wir laufen den Waldweg entlang, umkreisen die alte Villa aus dem 18. Jh und ich fühle die einstige Pracht, die sie vor langer Zeit ausgestrahlt haben musste. Einen Hauch davon. Viele der Fenster sind mit Holzplatten versehen. Die geplanten größeren Renovierungen bleiben für 2013 aus. Der neue Flughafen braucht Geld und das, obwohl er scheinbar nie fertig gestellt werden wird. Welch Ironie, wo doch Berlin so vieles nötig hat, nur keinen neuen Flughafen. Um gegen den Zerfall der Villa anzugehen wird sie ehrenamtlich renoviert und die Räume für Künstler, Feste und Ausstellungen vermietet, in der Hoffnung, so den Erhalt der Villa auch langfristig zu sichern. Bewundernswert dieser Einsatz, denke ich mir, nachdem ich mit dem jungen Herrn A. gesprochen habe, der uns durch die unteren Räume führte. Dann lassen wir die einstige Villa, in der unter anderem Bismarcks Mutter Luise Wilhelmine von Mencken sechs Jahre ihrer Jugend verbrachte, hinter uns, steigen in den Bus X34 und fahren nach Berlin zurück.

Über anette

photo artist & dreamer

19 Kommentare

  1. Solche alten Villen erzählen meistens wunderbare Geschichten. Umso wichtiger (und schöner) ist es, sie zu erhalten. Gut, wenn eine Lösung dafür gefunden wurde und auch praktiziert werden kann!

    • Ja, da hast du völlig recht. Ich hoffe trotzdem sehr, dass die Stadt Berlin sich selbst am Schopfe packt und auf die Dinge setzt, die wirklich erhalten bleiben müssen, anstatt es in Fässer ohne Boden zu stecken. Aber das ist ein Thema, das ins Uferlose geht … Wir erfreuen uns dafür umso mehr, dass man auch durch eigene Kraft so einiges schaffen kann!

  2. Toll geschrieben. Ein Trauerspiel, daß für ein Stück Kulturgut das bischen Geld fehlt und anderswo überflüssigerweise in den Größenwahn gesteckt wird. Die Bilder unterstreichen diese Traurigkeit. Irgendwas läuft in diesem Land verkehrt.
    Lg kiki

    • Ja, den gleichen Gedanken hatte ich auch schon … Mit Größenwahn triffst du so manche (derzeitigen) Bauprojekte und Entscheidungen des Landes mitten ins Herz. Glücklicherweise gibt es immer wieder eine Gruppe von Menschen, die sich davon nicht beirren lassen und mit mehr oder weniger Erfolg dagegen angehen.
      Vielen Dank für deine Worte, kiki.
      Lg Anette

  3. Eine morbide Schönheit. Eine schöne, wehmütige Kommentierung, liebe Anette.

  4. Was für ein Ausflug in meine Vergangenheit! Ganz in der Nähe habe ich 1999 meine Vorbereitung zur Entwicklungshelferin des DED absolviert. Kladow, der Bus X34 – Namen, die ich kenne. Wie oft bin ich dort spazierengegangen, nach einem harten Tag mit westafrikanischer Landeskunde und französischem Sprachunterricht. Leider ist von unserer Ausbildungsstätte am Kladower Damm 299-336 heute nichts mehr übriggeblieben, nur noch schöne Erinnerungen.

    • Alles verändert sich so rasant, dass so manche Besonderheiten Platz für Neues schaffen müssen. Traurig, wenn sich alles so verändert und doch ist es in gewisser Weise notwendig und wichtig. Immerhin bleiben uns die Erinnerungen, die uns keiner nehmen kann.

  5. Obwohl ich eine gebürtige Berlin Weddingerin bin und die Stadt nur für Urlaube verlassen habe, kenne ich die Villa nicht. Kladow ist auch nicht einfach zu erreichen – trotz des X34.
    Ich mag solche Orte auch sehr, tausende Geschichten können einen dabei in den Kopf schiessen…..
    Schön, dass du uns darauf aufmerksam gemacht hast, Anette.
    Einen schönen Tag dir von Susanne

    • Danke, Susanne. Ja, ein Stück Weg ist es allemal nach Kladow, allerdings ging es überraschend gut mit U-Bahn und Bus. Bin allerdings von Kreuzberg unterwegs … Auf jeden Fall lohnt sich der Weg, besonders wenn der Frühling und Sommer vor der Türe steht.
      Liebe Grüße,
      Anette

      • Ich setze es auf meine Liste von Orten, die ich in Berlin besuchen will, Anette.
        Bist du am 18. Mai in Berlin? Ute Schätzmüller und ich stellen in meinem Atelier in Berlin Reinickendorf (S25 bis Schulzendorf) aus?
        Vielleicht hast du Lust zu kommen, dann lernen wir uns persönlich kennen, da würde ich mich freuen….
        Die Ausstellungseröffnung beginnt um 16 Uhr und es ist ein Samstag….
        LG Susanne

      • Das ist ja toll. Ich komme sehr gerne, Susanne! Danke für die Einladung. Ich freue mich schon darauf.
        LG Anette

      • Ich freue mich auch auf euer kommen … :-) einen schönen Tag dir!

  6. Als ich die Bilder gesehen und die ersten Worte von Dir gelesen habe, schoss mir gleich eine Frage durch den Kopf: Konntet ihr euch auch dort drinnen umschauen? Ich glaube, es liegt an meinem Ausflug in die Schraubenfabrik und auch daran, dass mich so alte, zerfallende Gebäude gerade ganz besonders faszinieren. Interessant finde ich auch, dass auch diese Villa derweil für Kunst und Kulturveranstaltungen genutzt wird, was wohl dafür geplant ist, wenn die größeren Renovierung tatsächlich durchgeführt werden? Ein kleines Hotel vielleicht, mit Restaurant und Terrasse im Park, Konzerte im Freien… Momentan sieht es eher düster aus, aber ich mag es trotzdem.

    • Das Düstere kommt sicher zusätzlich auch vom Winter und den kahlen Bäumen. Die Fassade ist eigentlich hellgelb, auch wenn sie bröckelt und nicht mehr so eine satte Farbe abgibt, zusätzlich hast du im Frühling/Sommer grüne Wiesen, Bäume und den See. Da wirkt es natürlich um einiges freundlicher. Für diesen Artikel jedoch passten die S/W-Bilder besser. Die Innenräume, wir waren jedoch nur in einem Teil des Hauses, waren wunderschön. Ein alter Kamin, ein Flair aus einer längst vergangenen Zeit … sogar ein alter Flügel stand noch dort.
      Es war ein Gefühl, als ob man durch die Vergangenheit schreitet, verstärkt durch die während des Winters lange Zeit geschlossenen Räume.

  7. Ich mag diesen klaren Baustil…

  8. Oh. wie gerne würde ich sie mal sehen… und ich kann nur hoffen, daß sie wirklich noch „gerettet“ wird. In den Räumen der Villa wird man sicherlich gut leben und arbeiten können, viel Geschichte drumherum und vielleicht auch einige (gute) Geister…
    LG, Petra

    • Ja, Geister könnte ich mir in der Winterpause dort richtig gut vorstellen :-)
      Es ist wirklich traurig anzusehen, wie schön diese Villa sein könnte und wie besonders der Ort ist, aber viel zu wenig Leute von ihm wissen .. Bei dem Einsatz der Bürgerinitiative jedoch habe ich ein gutes Gefühl, dass die Villa wieder „zum Blühen“ gebracht werden kann.
      LG, Anette

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