KurzStory *19*

Hey, du!

Schweigsam läuft sie weiter, dreht sich nicht um. Die Schultern leicht nach oben gezogen.

Hey!

Ihre Haltung verstärkt sich. Wie eine geduckte Katze läuft sie, ohne hinter sich zu blicken. Vor ihr der Ausgang. Nur noch wenige Meter. Du schaffst das!

Die letzten Sonnenstrahlen finden nur spärlich den Weg durch das dichte Gestrüpp und wie der kommende Schatten der Nacht legen sie sich auf die Frau. Sie beginnt zu schwitzen, trotz der Kälte. Sie mag keine Parks, mochte sie nie.

Noch ehe sie das Tor zur Straße erreicht, legt sich eine schwere Hand auf ihrer Schulter. Ihr Körper zuckt zusammen.

Du hast was verloren.

Was?

Sie taumelt.

Hey!

Finger schnippen, immer wieder. Direkt vor ihren Augen.

Hey!

Ihre Schulter wird leichter. Die Hand lässt los. Mit den letzten Sonnenstrahlen schwindet jeglicher Laut. Erstickt.

Als sie ihre Augen öffnet, liegt sie im Wald. Allein. Umgeben von schwarzgrünen Wänden. Rascheln. Knacken. Stille. Sie rührt sich nicht. Nur ihre Augen tasten vorsichtig den Himmel ab. Durch die dichten Baumkronen entdeckt sie Sterne, so klein, so weit weg und doch sind sie da, leuchtend. Hoffend.

8 Kommentare zu „KurzStory *19*

    1. Wenn es beim Schreiben gut läuft bin ich inmitten der Geschichte. Fühle, sehe und durchlebe genau das, was die Person in der Geschichte fühlt, sieht und durchlebt. Nur so wird es für mich wirklich fassbar und nur so kann ich es an den Leser weiter vermitteln. Es freut mich sehr zu hören, dass mein Wunsch hier aufgegangen ist und die Geschichte etwas in dir ausgelöst hat. Danke für deinen Kommentar, Gilles.
      Liebe Grüße,
      Anette

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