KurzStory *8*

Dialog

Glaubst du nicht auch, dass der spinnt?

Weiß nicht, vielleicht, aber meinst du nicht, dass er gerade einfach nur durch den Wind ist?

Wegen seiner Frau?

Und seinen Kindern.

Vielleicht. Ich wäre auf jeden Fall verrückt geworden.

Ich auch.

Sag mal, was hat die Frau eigentlich im Schuppen zu suchen gehabt?

Ihren Kleinsten, der sich dort immer versteckt.

Ah.

Der war aber nicht da. Was für ein Glück.

Na, und dann ist alles zusammengebrochen?

Nein. Bricht ja nicht einfach alles so zusammen.

Aber der Schuppen ist doch eingestürzt.

Das Dach war undicht und das Holz morsch. Vor einigen Wochen ist dann beinahe alles erneuert worden.

Warum haben sie den Schuppen nicht einfach abgerissen?

Emotionale Bindung.

Was?

Emotionale Bindung.

Emotionale Bindung.

Hab schon verstanden!

Dann sag doch was.

Was soll ich den sagen?

Aha.

Aha.

Na, geht doch.

Warum ist der Schuppen jetzt eingestürzt, wenn alles erneuert worden ist?

Weiß man nicht.

Wie, weiß man nicht?

Na, man weiß es nicht.

Was treibt ihr beiden denn da? Bewegt euch, die Pause geht doch nicht den ganzen Tag!

Idiot.

Nicht so laut. Der hört dich noch.

Mir doch egal. Mir tut schon alles weh.

Lass uns weiter machen.

Und wenn wir da unten noch was finden?

Was denn?

Na, irgendwas persönliches.

Dann geben wir es dem Mann.

Ich kann das nicht.

Ich mach das, keine Sorge. Ist doch nicht das erste Mal.

Für mich ist es immer das erste Mal.

Jetzt plötzlich emotional? Was ist denn los mit dir? Du bist doch der Erste, der die lautesten Witze über unsere Arbeit reißt.

Wenn schon. Ich hab die Schnauze voll von dem ganzen Scheiß.

Du kannst nicht einfach aufhören. Das geht nicht. Spinnst du jetzt total? Was willst denn sonst machen?

Weg.

Wie, weg?

Na, weg. W – e  – g

Jeder will weg, aber was heißt das schon. Ich will auch weg und renn ich deswegen gleich los, oder was? Nö. Wer macht dann meine Arbeit? Vielleicht ein Rotzbengel wie der Sohn vom Bäcker, der sich noch einen seelischen Schaden einfängt, weil ich das Handtuch geschmissen habe. Ne, mit mir nicht. Ich mach das selber. Weg, du spinnst doch.

Du spinnst doch, das du so einen Blödsinn redest. Von wegen der arme Sohn des Bäckers. Du hast Schiss, was anderes zu machen. Was willst du auch machen? Die Familie kann ja nicht von Wasser und Brot leben.

Was für ein Glück, dass du so frei bist, oder was?

Was für ein Glück.

Was schaust denn dann so blöd, als würde sich dir der Magen umdrehen? Du bist alt und allein, da brauchst du deine schlechte Laune nicht an mir raus zu lassen. Such dir eine Frau, mach Kinder und arbeite jetzt endlich weiter, dann sind wir alle wieder glücklich.

Du wirst schon sehen, in einem halben Jahr bin ich weg. Die Kündigung ist geschrieben und liegt morgen beim Chef auf dem Frühstückstisch.

Hat der Mann dir jetzt komplett den Kopf gewaschen, oder was? Was ist bloß los mit dir?!

Nichts. Mir ist nur einiges klar geworden und dir nicht.

Aha. Na dann. Allein kann ich nicht arbeiten, also hilf mir, so lange du noch da bist, sonst breche ich mir noch wegen deinem wahnsinnigen Geschwafel den Rücken.

Ay, ay, Käpt’n, zur Stelle!

Über anette

photo artist & dreamer

18 Kommentare

  1. Hallo Anette !

    Etwas “ verwirrend “ für MICH – ABER toll geschrieben. Gefällt ! ! !

    Gruss, dein lichtbildwerfer

    • ;-) Verwirrend ist eine meiner Techniken, wie das Leben verwirrend, seltsam, überraschend, ungewöhnlich oder eintönig sein kann. Freue mich sehr, dass es dir gefällt! Trotz „Verwirrtheit“ :-)

  2. Ist das jetzt „einfach mal“ ein Dialog, der irgendwann in einem Projekt eingebaut werden kann oder ist das ein Teil von einem laufendem Filmprojekt?

    • Es ist ein Teil des Projektes „KurzStory“, in dem ich jeden zweiten Sonntag im Monat eine Kurzgeschichte und andere Gedanken veröffentliche. Der Dialog steht für sich allein, ist also, wie man es vielleicht nennen könnte „einfach mal“ ein Dialog. Eine kurze Szene. Allerdings steht offen, was nach der Sammlung mit den Texten passiert. Sicher werde ich den einen oder anderen Text weiter vertiefen und auch in ein Filmprojekt einbauen. Momentan heißt es aber noch, ganz unterschiedliche Momente zu sammeln, die sich vorrangig im Alltag abspielen oder Wendepunkte im Leben sind.

      • Die Idee, die dahinter steckt, finde ich sehr gut. Das schafft Freiräume, man hat Zugriff auf mögliche fertige Teile und am Ende kann sich vielleicht etwas Großes daraus entwickeln.

      • Das freut mich! Ja, genau so fühlt es sich an! Es ist immer wieder interessant zu sehen, welche Texte entstehen können und ich merke, es ist wichtig, dies nicht einzugrenzen, den Freiraum offen zu lassen, sonst wären beispielsweise keine Dialoge, die mir auch sehr viel Freude bereiten und in denen ich wieder ganz neue Aspekte zeigen kann, entstanden. Eigentlich war geplant Kurzgeschichten zu schreiben, bis ich spontan mit den Dialogen begann und merkte, es ist richtig spannend, sich darin abzuwechseln und schafft wieder neue Ideen.
        Danke für dein schönes Feedback!

      • Dialoge sind z.B. mein persönlicher „Schrecken“. Ich bin da nicht besonders gut drin. Meine Short Stories sind daher fast frei von Dialogen.
        Vielleicht sollte ich (mit deiner Erlaubnis) etwas in deiner Art versuchen. Siehst du, das nennt man dann wohl Gegen-Inspiration :)

        Hast du eigentlich einen Beitrag, wo man sehen kann, mit welchen Gerätschaften und/oder Programmen du deine Kurzfilme fabrizierst? Das würde mich interessieren, da ich auch schon länger davon träume, solche Dinge zu machen.

      • Gerne kannst du etwas in meiner Art versuchen, das würde mich sogar sehr freuen! Es ist immer etwas ganz besonders, selbst Inspirationen geben zu können :-)

        Zum Filmequipment: Ich denke, die beste Einsicht, auch mit einer Liste der Ausrüstung, erhältst du auf der Seite „Hinter den Kulissen„, auf der ich das gesamte Projekt des letzten Kurzfilms „A moeda“ beschreibe. Vielleicht hilft dir das weiter. Das Equipment ist wirklich auf das Nötigste reduziert, was ich grundsätzlich besonders schätze, da ich flexibel bleiben will. Allerdings überlege ich, mich bald nicht nur in der Fotografie mehr auf Film zu konzentrieren und die alten Filmkameras zu entdecken. Ein S/W-Film dafür wäre großartig, ansonsten geht es natürlich auch sehr gut mit der GH2. Einen kleinen Einblick über das Equipment gibt auch der Artikel „Neues Equipment

        Für den Filmschnitt nutze ich: Final Cut Pro 7 (Ansonsten ist Adobe Premiere CS4 oder CS5 auch sehr gut, ist immer Geschmacksache, es gibt viele Filmschnittprogramme, um einiges günstiger, die auch gut funktionieren. Nur mit Mac ist die Auswahl doch etwas eingeschränkter, allerdings ist FCP sehr schön zum Arbeiten)
        Computer: ein älterer iMac von 2006/07 (mit Snow Leopard), arbeitet langsam!, aber ich habe gelernt, während den Wartezeiten des Renderings andere Dinge zu tun

        Wenn du noch Fragen hast, melde dich einfach. Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen und wünsche dir ganz viel Spaß beim vielleicht baldigen Ausprobieren eines Kurzfilms! Toll! Es ist wirklich eine wunderbare Arbeit.

  3. Danke, dass ich deine Idee verwerten darf. Werde dich natürlich als Inspirationsquelle verlinken :D

    Ich werde mir gleich mal die beiden Links ansehen. Ich habe keinen Mac sondern einen Win7-QuadCore-PC mit 64 Bit. Da gibt es doch weitaus mehr Programme zur Auswahl. Ein paar Sachen habe ich auch wie z.B. Video Studio , Premiere Lite oder Media Studio Pro.

    Du möchtest dich mehr auf das Filmen konzentrieren? Das höre ich gerne :) Was meinst du denn mit „alten Filmkameras“? Meinst du analoges Video oder die ganzen alten Super8-Kameras? Meine habe ich vor ein paar Jahren verkauft ;)

    • Momentan konzentriere ich mich noch auf die analoge Fotografie und schaffe mir eine Dunkelkammer an, endlich ;-) Somit pausiert das Filme machen ein wenig, da es neben dem Schreiben einfach zu viel wird. Irgendwie hängt aber doch alles zusammen, gerade, da ich die Texte für spätere Filme als Inspiration oder Drehbuch nutzen könnte, die Fotografie ist eng für mich mit Film verbunden. Das Auge lernt nie aus ;-) Mit alten Filmkameras meine ich Super8-Kameras und beispielsweise eine Bolex, also 16mm wäre auch interessant … An erster Stelle steht für mich „back to the roots“. Es ist ein anderes Arbeits- und Lebensgefühl, die mich ganz besonders reizen und ansprechen. Ich vermisse das Handwerk an sich, wenn ich nur digital arbeite.

      • Da kann ich dir nur recht geben. Das alten Fotografieren oder filmen war noch richtiges Handwerk. Heute Stellst deine Digi auf automatik und du brauchst kaum noch etwas machen.
        16mm würde mich auch reizen :) Womit ich damals sehr viel bei Super8 gearbeitet hatte, war die Einzelbildschaltung. Sozusagen Harryhausen für Anfänger :D Mit Super8 war es „relativ einfach“ kleine Trickfilme zu machen. Heute brauchst bei Video wieder spezielle Software usw..
        Ich hab noch eine alte Seagull 6×6. Da musst noch richtig mit Belichtungsmesser und so arbeiten.Irgendwann hatte ich mir dann mal eine Minolta zugelegt und eine EOS RT. Heute habe ich zur Zeit nur die EOS 1000D im Gebrauch. Die Analogen liegen in der Vitrine ;)

  4. Nicht wundern, es kommen Pingbacks von zwei verschiedenen Blogs auf diesen Beitrag. Die Blogs gehören ebenfalls mir :)

  5. Pingback: Fragment #0 « Wortwelten

  6. Pingback: Fragment #0 « TryFilm

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