Berlin und die Kunst – ein Drama?

In Berlin gibt es Künstler an jeder Straßenecke, Künstler in allen Sparten und in den unterschiedlichsten Variationen. Grell, bunt, einfarbig, schräg, individuell. Der Wettbewerb ist hoch, der Verdienst mager. Warum? Es gibt immer eine Gruppe, die für satte 0 Euro arbeitet und es wird immer Leute geben, die, um irgendwie einen Platz in der wahnsinnigen Kunstwelt zu ergattern, von Wasser und Brot leben. In Berlin kommt man immer irgendwie durch, so denkt man sich, und zum Teil stimmt es auch. Seit einiger Zeit jedoch beginnt das Überlebensmotto aus den Fugen zu geraten. Berlin wird teuer. Überraschend schnell. Löhne rauf! Miete runter! Stoppt die Eigentumswohnungen! Stoppt die Verdrängung! Die 0 Euro Arbeit macht das Leben nun schwerer, die Mieten und Lebenshaltungskosten steigen, die Suche nach Förderern ist ein Fass ohne Boden, allerdings schon seit längerer Zeit. Die Nachfrage übersteigt bei weitem das Angebot. Die Kriterien sind oftmals nur an längst bekannte Künstler gerichtet. Als Neustarter, auch mit noch so viel Enthusiasmus und Können, bleiben die Türen meist versperrt, wenn keine Kontakte vorhanden sind. Eine bittere Wahrheit, auf die auch ich immer wieder treffe. Die eigene Kunst zu verkaufen ist beinahe unmöglich. Grundlegende Fragen werden neu aufgerüttelt: Wie verkaufe ich meine Kunst? Wer soll angesprochen werden?

Berlin ist arm, aber sexy. Wenn Berlin aus genau diesem Grund Menschen weltweit anlockt, sehe ich keine baldige Besserung. Eine Marketingstrategie, die auf Kosten der Künstler geht. Auf der anderen Seite fühlt man sich, durch die Notlage und die Welt der Berliner Kunst, angespornt, nicht allein kämpfend. Würde das Bild arm, aber sexy nicht mehr bestehen, würde jeder Künstler von einer individuellen Förderung leben und arbeiten können, wie würde Berlin aussehen?

Über anette

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6 Kommentare

  1. Sara S.

    Berlin – ein Sammelbecken. Dort zeigt sich am krassesten die soziale Schieflage.
    Aber man kann jeden Künstler und kreativ Schaffenden nur beglückwünschen zu seinem Mut, seiner Durchhaltekraft, seiner Standhaftigkeit – wie arm wäre unsere Welt ohne die Kreativen, die kritisch Beobachtenden, die Infragesteller, die Individualisten, die Selbst-Bewussten, die „Jungen“!
    Du hast einen tollen vielseitigen Blog, den ich mit Interesse lese. Ich drück Dir die Daumen, mach weiter so, viel Erfolg!
    Sara S.

  2. Servus! Ich bin Kunstmaler (aus der Steiermark) seit 1985 in Berlin – ich habe über 500 Aufträge gemalt, gezeichnet etc.. Die Lebenshaltungskosten sind immer weiter gestiegen und die Auftraggeber zahlen nicht etwa mehr, sondern weniger, weil sie davon ausgehen, dass der Einzelne leichter erpressbar wird und unter seinem Preis arbeiten wird. Ich sollte vor einigen Monaten etwas für eine bekannte Gewerkschaft malen und man wollte mir grade einmal die Materialkosten ersetzen!!!
    Es wäre eine nicht so schlechte Idee, wenn plötzlich wirklich an jeder Straßenecke ein Künstler stünde.
    Fabian Fritz

    • Hallo Fabian, servus! ;-)
      Danke für deinen Kommentar! Es ist wirklich unfassbar … die gesamte Entwicklung … ein Kameramann in Berlin berichtete mir ähnliches, wie du es erlebt hast. Auch er ist seit vielen Jahren im Geschäft und trifft immer mehr auf Angebote, in denen er „froh sein darf“, dabei zu sein. Er lehnte „dankend“ ab. Auf seine Erklärung, er könne ja auch nicht an der Kasse im Supermarkt erzählen, er sei eine gute Investition und reiche das Geld nach, reagierte das Filmteam unfreundlich. Sie fanden natürlich einen anderen, der ihr „großzügiges“ Angebot annahm. Eine Chance, endlich in der Filmwelt Fuß zu fassen?, dachte derjenige vielleicht. Wie er über die Runden kam … keine Ahnung.

  3. Noa Adelbert

    Deine Beschreibung ist wie ein Spiegel der heutigen Zeit: Die Kreativen, die Nicht-Konformen, die mutigen Selbstgestalter erhalten nicht einmal das Geld – außer dem kleinen Kreis der „Stargaleristen- und Bankkundenkünstler“ – um die Existenz zu sichern.

    Die Nicht-Kreativen, die kapitalkonformen Banken, die unfassbare Summen auf Kosten der Gemeinschaft verspekulieren, die Zinsen manipulieren, die Milliarden sich in die eigene Tasche stecken, Politiker die seit fünf Jahren so gut wie nichts für die Kreativen tun, aber alles für die Nicht-Kreativen. …

    Der Mut sich selbst treu zu bleiben, zu seinen künstlerischen Werken zu stehen, nicht aufzugeben, sich zusammenzuschließen, der verdient allergrößte Hochachtung und Respekt! Danke für das Nicht-Schweigen! Ebenso über das Nicht-Schweigen über die entdeckten Nazi-Schmierereien!

    Noa Adelbert

    • Danke, Noa für deine Rückmeldung! Die Politik und die Banken, die Macht, in einer kleinen Gruppe Entscheidungen für Millionen zu treffen, ist und bleibt ein Drama, das sich unter anderem auf die Berufswelt, nicht nur in der Kunst, mehr und mehr ausbreitet. Gerechtigkeit ist hier längst nicht gegeben. Hoffen wir aber auf das Beste und machen aktiv weiter mit dem, was wir lieben und gehen mit offenen Augen durch die Welt.

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