Ausnahmezustand?

So schockierend es auch ist, manches scheint nie ein Ende zu nehmen, egal, in welchem Land man sich befindet, und das macht mich wütend! Wütend über die Art mancher Menschen, für ihre eigene Situation andere dafür verantwortlich zu machen, wütend über den Hass, den einige in sich tragen und weitergeben, wie eine Seuche ausbreiten. An Kinder, Jugendliche, die das Leben mit einer Leichtigkeit lieben und leben sollten.

Worüber ich spreche?

Vor einigen Tagen entdeckte ich in einem kleinen Park in Valladolid etwas, was ich erst nicht glauben konnte. Ein Bild zeigte sich mir, dass mir den Rassismus und den Antisemitismus direkt vor Augen führte. Mir entgegenschlug. Sprühereien inmitten von Rosenbeeten. Überall. Die Parkbänke, die Steinwände, alles beschmiert.

Ein dunkler Schatten legte sich auf das idyllische Bild des Sommertags, während ein feiner Regen beinahe romantisch aus der Bewässerungsanlage die Wiesen und Blumen befeuchtete. Irgend etwas stimmte hier nicht. Das Bild passte nicht zusammen.

Warum, zum Teufel, lässt man den Ort derart beschmutzt?!! Wer tut so etwas? Warum hier?

Eine Rückmeldung auf eine der vielen Fragen habe ich erhalten: Keiner reagiert, da, sobald die Schmiererei überstrichen, sie wieder da sein wird, als wäre sie niemals übermalt worden. Ein anderer Grund ist, dass die Täter  nur darauf warten, in die Medien zu kommen. Je mehr die Öffentlichkeit darüber spricht, desto größer besteht die Möglichkeit Gleichgesinnte zu finden. Die Täter haben ihr Ziel erreicht. Ein schwieriges Thema, keine wirkliche Lösung. Wie immer beinhaltet jeder Schritt, den man geht, zwei Seiten. Stumm bleiben kann ich trotzdem nicht. Es liegt ein Makel auf der Stadt, der meinen Nerv getroffen hat, der spürbar ist, und sich durch meinen ganzen Körper zieht. Ich muss in irgendeiner Weise darüber reden. Zeigen. Offen legen. Die Empörung hinausschreien. Auch wenn es nur ein Blogartikel ist. Etwas derartiges darf nicht zugelassen werden!

Ein Blick hinter das ruhige Valladolid, der in mir viele Fragen aufwirft.

R.N.V. Eine rechtsextremistische Organisation, die Botschaften passend zum Nazi-Regime verbreitet

fotografien © anette siegelwachs

Über anette

photo artist & dreamer

7 Kommentare

  1. Wie groß ist die Empörung über nicht anerkannte Tore bei der in diesen Tagen stattfindenden Fußballeuropameisterschaft! Wie beschämend gering dagegen ist sie bei diesen unfassbaren menschenverachtenden Nazischmierereien in dieser Stadt und in anderen europäischen Städten! Ist das unbeschreibbare Leid, das durch die Nazis über Europa (und die ganze Welt) kam schon vergessen?
    Herzlichen Dank für Deine Wachsamkeit, Betroffenheit und Empörung sowie für Deine klare Stellungnahme!

    Noa Adelbert

    • Danke für dein Kommentar! Ja, so vieles ist nicht verständlich und so vieles sollte ganz anders laufen … Die Hoffnung jedoch, dass es besser wird, stirbt nie. Gerade, wenn man nicht wegschaut und handelt kann die Hoffnung lebendig werden und das ist doch schon mal ein Anfang.

  2. Erschreckend – wieder einmal wird mir bewusst, dass ich hier „hinterm Mond“ lebe in meiner kleinen, idyllischen Kleinstadt…!

    Sowas macht mich einfach nur traurig!

    Papagena

    • Als ich die abstoßenden Schmierereien vor mir sah, hatte ich das Gefühl, alles um mich herum wird still, etwas stirbt. Ein Stück Glaube an die Welt, die manches einfach nicht begreifen will, egal, was schon passiert ist. Sehr traurig.

  3. Ich habe mal den Satz gelesen „wenn man sich auf das Tun konzentriert, entstehen neue Lösungswege“ – also, in diesem Zusammenhang, wenn man nicht einfach wegschaut sondern sich mit dem Geschehenen auseinandersetzt, zu seinen persönlichen Antworten findet. Danke für Deinen Mut, nicht einfach wegzuschauen, und Du das Gespräch und das aufeinander zugehen anregst.
    Sara S.

    • Ein wunderbarer Satz, dem ich nur zustimmen kann! Immer wieder auf´s Neue stelle ich fest, wie wichtig es ist, etwas zu tun, denn erst im Tun betritt man Wege, die zuvor noch unentdeckt geblieben sind. Es ist immer wichtig neue Lösungen zu suchen, gerade, wenn es schon so viele zuvor gegeben hat und noch keine Anklang bei allen gefunden hat. Jeder wird anders angesprochen und jeder sieht mit anderen Augen. Wichtig ist, dass jeder erzählt, was er sieht. Nur so kann man lernen, zu verstehen. Im Austausch. Danke für dein Kommentar, Sara!

  4. Thomas van Marek

    Irgendwie begreifen diese Leute nicht, dass …… wenn sie zur damaligen Zeit gelebt hätten , solche Schmierereien nur einmal gemacht hätten. Ein Grossteil der heutigen NS-Supporter hätte das s.g. 3 Reich überhaupt nicht überlebt.

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