Inspiration: Spanien, Valladolid

Autonome Region: Kastilien-León. Inmitten der ruhigen Stadt Valladolid ca. 200 km von Madrid entfernt.

In der Innenstadt, die trotz nahendem Startschuss der EM-Runde Spanien gegen Italien wie ausgestorben wirkt, schlendern wir unter der warmen Sonne durch die Altstadt, naschen die ersten Köstlichkeiten, ehe das Spiel beginnt: kleine Spieße mit Paprika, Zwiebeln, Fisch und Oliven. Ein Vorgeschmack für das spätere Tapas-Essen. Gewöhnlich bin ich kein Fussballfan und würde mich auch nie als einen ausgeben, und doch, auf eine gewisse Weise vom EM-Klang und der WM angezogen, genieße ich in vollen Zügen ab und an ein Spiel zu sehen. In der Gesellschaft fröhlich begeisterter Fans. Mitgerissen. Solange die Stimmung gut bleibt!

In einer kleinen, abgedunkelten Bar verbringen wir mit wenigen Spaniern, die meisten in roten Trickot-T-shirts und laut brüllend, die Zeit mit Fussball und Bier. Der Moderator spricht so schnell, dass ich kein Wort verstehe, mich aber auch nicht bemühe zu verstehen, konzentriert auf das Spiel. Mein Freund, der noch zwei Wochen in Valladolid arbeitet und das Wochenende frei hat, sitzt zufrieden mit einem caña neben mir. Wir beide mit einem Bier, ein seltener Moment. Dann der Endpfiff. 1:1 unentschieden.

Das Fussballfieber hielt sich überraschend in Grenzen. Schon längst, viele Stunden zuvor, wäre das „Gegröl-Spektakel“ der deutschen Fans durch Berlin gezogen, ihre Vorfreude demonstrativ feiernd, als sichere dies den Gewinn.  

Vielleicht blieb es in der Innenstadt still, da sich ein großer Teil der knapp über 300.000 Einwohner im Stadion oder vor dem eigenen Fernseher aufhielt, wo nur kurze Zeit später Valladolid selbst spielte. Vom Apartment aus, ehe wir mit müden Füßen und einem seligen Lächeln in unsere Betten fielen, entdeckten wir  von der großen Terrasse aus die begeisterte Menge zwischen den Häusern, wenige hundert Meter entfernt, deren Singen und Rufen bis zu uns drang. Eine irgendwie unwirkliche Stimmung …

Ein besonderer Sonntagsabschluss und erster Tag in einer Stadt Spaniens, in der Tourismus kaum zu spüren ist. Zugegeben, selten war ich an einem Ort wie diesen gewesen. São Paolo vielleicht, die Arbeiterstadt, in der ich mich als Tourist vollkommen fehl am Platz gefühlt hatte. Hier, in Spanien, treffe ich auf ein Fleckchen Erde, das mir eine angenehme Entspannung bringt und mich inspiriert. Neue Geschichten. Menschen. Kultur und Essen. Ruhe, die mir das eine und andere Mal in Berlin gefehlt hat. In gewisser Weise eine Langeweile, die den Kopf beruhigt. Auf der anderen Seite frage ich mich ständig: Wie geht es den Menschen in Spanien? Wie leben sie mit der Krise? Zu spüren ist von ihr bisher nicht viel.

Ein neuer Ort, der geprägt von einem ganz normalen spanischen Alltag ist, in der unsere Nachbarn Familien und Rentner sind.

Über anette

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